Tsagaan Sar war ein wunderschönes Erlebnis, das ich mit meinem Sportlehrerkollegen und dessen süsser Familie erleben durfte. Aber das sieht man wohl auf den Fotos. Kommentare sind den Fotos angefügt und ein "kurzer" Text folg später. Im Moment brauche ich alle meine Nerven für die Uni...
Hier der Link:
https://picasaweb.google.com/115788699100634517128/TsagaanSar?feat=directlink
St. Gallen – Regen - 12 Grad... Nein, so hatte ich mir den Sommer meiner Rückkehr in die Schweiz nicht vorgestellt. Eigentlich hatte ich vor, vom Freibad, den Bergen und meinen vermissten Fahrrädern zu profitieren. Das braucht bei dem Wetter aber fast so viel Überwindung wie das Herunterwürgen von Ziegeninnereien in der Mongolei. Im Folgenden also mein vorübergehend letzter Beitrag. Neue Beiträge gibt es erst, wenn es wieder in den Osten geht...
Titelbild
Pferde auf Futtersuche
Donnerstag, 17. Februar 2011
Dienstag, 1. Februar 2011
Bairin mint!
Bairin mint! Bairin mint! Bairin mint! Dabei jedem Lehrer ehrfürchtig die Hand entgegenstrecken und immer wieder Bairin mint, Bairin mint....Was so viel heisst wie „Frohes Fest“. Es war Lehrertag! Und ob ihr es glaubt oder nicht, diese Lehrertagsfeste zählen hier zu der ganz harten Sorte. Und ja, abgesehen vom Rektor (Chapeau!) gab es nach Mitternacht keinen einzigen Uni-Professoren mehr, der noch einigermassen geradeaus gehen konnte oder auf der Tanzfläche keine jüngeren Lehrerinnen angrabschte. Auch die Ehrengäste - der Parlamentsabgeordnete und der Bürgermeister - sind fast vom Stuhl gefallen. Wobei sie kurz zuvor noch klingende Reden hielten und sich von ihrer besten Seite zu zeigen wussten. Aber der Reihe nach:
Das Lehrerfest findet hier während der Ferien statt, aber es waren dennoch fast alle Uni-Professoren und Assistentinnen anwesend. Wer kann sich hier auch Ferien leisten? Wenn man weg geht, dann aufs Land oder nach UB. Aber das können sich hier nur wenige leisten. Gerüchten zufolge bekommen Unterrichtende ihren Lohn während der Winterferien nur, wenn sie jeden Morgen an der Uni sind und den Unterricht vorbereiten. Und während der Sommerferien gibt es gar keinen Lohn. Dann verdienen sich die Lehrer und Professoren (natürlich auch die weiblichen Intellektuellen) ihren Lebensunterhalt als MarktverkäuferInnen oder als Taxifahrer. Und den 13. Monatslohn gabs übrigens auch nicht...:)
Aber zurück zum Lehrerfest, das um 17h hätte beginnen sollen. Ich jedoch, schon ganz Mongole, hielt mich nicht einmal an die „mongolische“ Empfehlung (18h), sondern erschien um 18h45. Und keine Minute zu spät.
Es sassen immer zwei Fakultäten am gleichen Tisch. Das Essen wurde von der Uni bezahlt, hingegen hatte jeder Tisch etwas Geld gesammelt, um denselben zu dekorieren und Bier, Saft und sogar eine Flasche Wein zu kaufen. Unser Tisch war bedeckt mit einzel verpackten Biskuits jeder Art, Essiggurken, Wurst, Trauben, Mandarinen und Äpfeln. Typisch mongolisch, abgesehen davon, dass das fettige Fleisch fehlte. Wodka war natürlich auch reichlich vorhanden.
Der Musikehrer (Wobei ich inzwischen bezweifle, dass er wirklich Musik unterrichtet, ich glaube, dass er einfach der Alleinunterhalter für alle und alles ist.) spielte auf seinem Elektropiano Tanzmusik und die Leute tanzten. Ein Künstler aus dem Theater wurde engagiert und gab mongolische Traditionen zum Besten. Natürlich hörte ihm niemand zu, genau so wie den Reden des Rektors, Bürgermeisters, Alt-Rektors, Parlamentsabgeordneten,... Man hört einander einfach nicht zu, stört auch niemanden. Zu gerne hätte ich ein Akkordeon-Solo zum Besten gegeben, wo ich doch täglich 3-5 Stunden spiele, aber nicht so.
Jedoch habe ich vorgetanzt! Mit meinen Tanzschülerinnen Amra und Gima. Sie sind begeisterte Salseras und besuchen alle meine Tanzkurse. Die beiden bereiten mir viel Freude! Und tatsächlich bekamen wir einige anerkennende Reaktionen auf unsere improvisierte Salsa-Show. Sieht fast so aus, als bekäme unser Tanzkurs nach den Ferien Zuwachs, sieht aber wohl eben nur so aus... Wir mussten allerdings kämpfen, bis sie endlich 2 Minuten Salsa spielten.
Lang Zeit wurden auch Diplome, Auszeichnungen und Preise (Geld) ausgehändigt. Einige Preise waren für die guten Platzierungen am Sportturnier, das hier jedes Jahr zwischen den Schulen durchgeführt wird, andere Preise (Auszeichnung und Geld) waren für die guten Lehrer! Was genau die Kriterien sind, die hier in der Bewertung berücksichtigt wurden, konnte mir leider niemand sagen, auch die Ausgezeichneten nicht. So sassen also alle LehrerInnen auf ihren Stühlen und hofften wohl, auch dieses Jahr wieder allen Studierenden genügen Punkte ausgeteilt zu haben. Für mich der Moment, auf Toilette zu gehen :), denn goldene Himbeeren wurden keine vergeben. Und so also noch drei Worte zum stillen Örtchen, das so still gar nicht war: Zwei Stehtoiletten, natürlich kein Toilettenpapier und die Türen können auch nicht geschlossen werden. Deshalb gehen die Frauen ja immer zu zweit, damit die einte Wache schieben kann. Das Fest fand übrigens in einer Discothek statt und für uns Professoren wurde extra der Wasserhahn in Betrieb genommen, damit wir uns wenigstens die Finger waschen konnten. Dass dieser, wie auch die WC-Spülung dauernd am Laufen ist, ist hier halt so üblich.
Die Schulleitungsdelegation begab sich zum Anstossen mit den Lehrkörpern von Tisch zu Tisch. Dabei wurden Nettigkeiten ausgetauscht, mit Wodka angestossen und natürlich offerierte jede Fakultät dem Parlamentarier ein Gläschen des „eigenen“ Wodkas und die Köstlichkeiten ihres Tisches. Und obwohl die Delegierten oft nur an ihren Gläsern nippten und sie beim Weitergehen stehen liessen, waren sie, wie schon erwähnt, nach Mitternacht sturzbetrunken. Schlimmer jedoch waren die jüngeren Uni-Lehrer, die Geschirr zerschlugen, vom Stuhl fielen, hinausbegleitet wurden und sofort wieder auftauchten. Immer wieder traurig, wozu der Alkohol hier führt. Während einige nicht betrunkene Frauen versuchten, ihre Lehrerkollegen zu beruhigen oder sie nach draussen zu schaffen, bezirzten die anderen jungen Frauen den Parlamentarier. Ich wurde sogar gebeten, unauffällig Fotos zu schiessen, auf denen frau mit dem betrunkenen Regierungsmitglied zu sehen ist. Aber mir wurde auch gesagt, dass ich jetzt nicht mehr fotografieren solle, die Leute seien betrunken und wollten nicht abgelichtet werden. Tja, ob man sich das nicht vorher überlegen sollte? Der Abend war um 1 Uhr relativ spät zu Ende. Wie ich gehört habe ging es an Lehrerabenden der Sekundarstufen 2 noch gröber zu und her. Laut Kollegin begannen da die Frauen ihre Röcke zu heben und die Männer versuchten mit Mühe und Not ihre Erektionen zu verbergen. Bairin mint!
Und hier noch eine kleine mongolische Anekdote:
Bis Ende 2010 galt der Donnerstag hier in Khovd als alkoholfreier Tag, d.h. man durfte keinen Alkohol verkaufen. Aus unerklärlichen Gründen wurde dieses Verbot im neue Jahr auf den Freitag verschoben. Wer aber denkt, sich ab jetzt die Freitagabende gemütlich in den Discotheken um die Ohren zu schlagen und dabei nicht von betrunkenen, verwahrlosten und bemitleidenswerten Mongolen belästigt und betrübt zu werden, irrt sich. Die Discotheken haben jetzt nämlich Freitags geschlossen. Logisch, da man ja keinen Eintritt bezahlen muss, rentiert sich der Freitag nicht mehr. Schade! Und gut, denn ich hoffe, dass dank des neuen Gesetzes wenigstens unter den Studenten weniger gebechert wird.
So, das war mein letzter Beitrag im alten mongolischen Jahr. Am 3. Februar ist Tsagaan Sar, das mongolische Neujahresfest. Seit Wochen sind hier alle schon in den Vorbereitungen. Es wird gekocht was die Pfannen hergeben und auf dem Markt geht es zu wie bei uns zur Vorweihnachtszeit. Noch immer ist es kalt, aber die Ferien gehen langsam zu Ende. Ob ich etwas vorbereiten sollte? Oder ob es eh anders kommt als ich denke? Ich lass es euch gerne wissen!
Bis dahin liest doch mal noch das Interview mit dem mongolischen Präsidenten und den Artikel aus der NZZ. Den Link dazu findet ihr auf meinem Blog. Mir gefällt die Stelle, wo Elbegdorj im Interview von „gebildeten, gesunden und verantwortungsbewussten Mongolen“ spricht...
Oder schaut euch die Fotos vom Lehrerabend an:
http://picasaweb.google.com/115788699100634517128/BairinMint?feat=directlink
Alles Gute und meinen Lehrerkollegen in der Schweiz: Bairin mint!
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