Vor wenigen Tagen sass ich noch auf meinem Balkon, habe die Sonne und den Kaffee genossen, spielte mit 30 Kindern Fangen, Verstecken, Zeitung lesen, schwang mit meinen guten Salsaschülern das Tanzbein und vergnügte mich mit den Kindern meines Sportlehrerkollegen. Und jetzt, nach der über 50-stündigen Busfahrt nach Ulan Bator, erscheint mir das alles schon wie ein Traum.
Nein, die Universität werde ich keinesfalls vermissen. Hab ich schon gesagt, dass die Abschlussklasse für ihr Staatsexamen die Lösungen zuvor bekommen hatte und sie mit ihrer Lehrerin sogar diskutierte? Oder dass die besagte Lehrerin das 3. Studienjahr (Jenes, das eine Prüfung nachholen musste, weil nicht alle Studis die Prüfungsgebühr rechtzeitig entrichtet hatten. Ich habe davon im letzten Blog etwas erwähnt.) die Wortschatzprüfung unbeaufsichtigt schreiben liess? Ja, die Prüfung wurde am Samstag nachgeholt, am Tag der Diplomfeier. Jene begann 2h verspätet und dauerte dafür 4h länger. Und die Prüfung fand natürlich genau dann statt, als die Lehrerin die Diplome übergeben musste. Was natürlich nicht absehbar war... Ich besuchte die Klasse und stellte dabei fest, dass die Prüfungsaufgaben auch schon im Voraus bekannt waren. Ich befürchte zudem, dass die Prüfungen nie korrigiert wurden. Warum auch, es war eh eine Klassenarbeit im wahrsten Sinne.
Aber zurück zum Schönen. Die letzten Tage in Khovd habe ich richtig genossen. Die Kids aus der Nachbarschaft hatten mich doll lieb gewonnen, was zur Folge hatte, dass ich mich kaum mehr auf dem Balkon hatte blicken lassen können, ohne aufgefordert zu werden, zum Spielen runter zu kommen, Seilhüpfen, Fangen, Fresbee, Verstecken, Zeitungslesen,...
Da war auch die Mongolische Aerobicmeisterschaft der Junioren. Ich begleitete das Team von meinem Sportlehrerkollegen. Leider konnte ich nie einem seiner Aerobictrainings beiwohnen, er soll ein harter Hund sein. Und dementsprechend waren auch die Leistungen. WOW! Sind die Kids beweglich. Allerdings Musik- und Taktgefühl, da war nicht viel :) Und die Eröffnungsfeier glich eher einer Militärparade. Preise wurden auch eine ganze Menge verliehen. Von den ca. 100 Athleten habe ich gerade mal 15 ausmachen können, die ohne Medaille von dannen ziehen mussten. Ja, das ist auch Mongolei, Medaillen, Pokale und Auszeichnungen für und über alles. Dabei handelt es sich bei diesen Preisen um billigen Fusel, die Medaille ist wahrscheinlich nicht mal die paar Rappen wert, die sie kostete und der Pokal ist aus Plastik und fällt fast auseinander. Aber egal, sieht gut aus und macht sich gut zu Hause. Auszeichnungen über alles! Apropos Preisverleihung: Die Veranstalter, Richter und Trainer haben auch alle Medaillen, Pokale, Bilder und Auszeichnungen erhalten. Ihre Verleihung dauerte fast länger als jene der Kinder. Und jene hatten während dieser Zeit stramm zu stehen.
Die Busfahrt, wuahhh... Mein Hintern! Zwei Nächte ohne Schlaf. Und ehrlich, bei so einer Busfahrt könnten einem die Mongolen schon Angst machen. Dieses ständige Spucken und Rotzen, den Abfall aus dem Fenster werfen, Essen wie eine Horde Wölfe, Toilette wo es gerade passt. Das ist schon ein komisches Volk. Und hier in UB schaut natürlich jeder nur für sich selber. Was auch ganz lustig war, ihr könnte es auf meinem Onlinealbum beobachten, wenn wir einen Halt machten, dann legten sich die Mongolen immer sofort auf den Boden. Gleich vor der Bustüre. Zur Entspannung. Egal, wie nass oder dreckig der Boden ist, jede Sekunde liegen war für sie Erholung. Wobei der Mongole also auch im Bus schlafen kann, wahrscheinlich sogar im Stehen. Lulu hat natürlich kein Auge zugebracht. Zwar hatte ich tatsächlich einen Sitzplatz für mich alleine, aber leider nur Platz für einen Fuss. Der Bus hatte ungefähr 35 Plätze, wir waren 45 Leute. Immer wenn es ums einsteigen ging, war der Bus schon voll, während draussen noch eine tanze Gruppe von Leuten stand, die rein musste. Busfahren in der Mongolei ist einfach ein Erlebnis. Deshalb habe ich es mir auch angetan. Dabei kam mir allerdings in den Sinn, dass ich mir schon im letzten September schwor, dass ich mir das nie wieder antun werde.... Irgendwie bin ich dafür zu alt oder zu wenig mongolisch.
Der Abschied tat wirklich weh und während der Busfahrt habe ich mir ernsthaft überlegt, wieder einmal nach Khovd zurück zu kehren. Nächstes Jahr? Aber dann nicht als Lehrer, nein danke!
Hier in Ulan Bator habe ich bereits zwei Salsakurse gegeben. Eigentlich wäre momentan auch meine beste Schülerin aus Khovd hier. Sie ist aber erst 15 Jahre alt und ihre Eltern wollen sie um keinen Preis nach draussen lassen, UB ist halt schon ein anderes Pflaster als Khovd. Dabei wäre es so schön, nochmals mit ihr zu tanzen. Sie ist wirklich gut! Und ich dachte sogar daran, am Samstag, wenn hier eine Salsaparty stattfindet, mit ihr eine kleine Show zu tanzen. Aber eben, sie darf nicht raus.
Bon, inzwischen ist meine Wäsche trocken und ich kann mich auf die Strassen der verrücktesten Hauptstadt der Welt machen.
Noch eine Neuigkeit meine Zukunft in SG betreffend. Wenn alles gut geht, dann habe ich jetzt auch eine Wohnung :)
Und schaut euch doch noch meine neusten und letzten Fotos aus Khovd an:
Salsapeople on the river:
Schaf grillieren auf Kasachische Art:
Abschied und Busfahrt: