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Pferde auf Futtersuche

Montag, 17. Januar 2011

Über mongolische Semesterprüfungen an einer mongolischen Universität




Liebe Leserinnen und Leser, lange hab ich mich mir mit dem Eintrag zu diesem Thema Zeit gelassen. Facebook-User haben wohl aber schon bemerkt, dass es sich hier um ein sehr intensives und heikles Thema handelt. Semesterprüfungen...Viele von euch haben auch studiert, aber vielleicht ist es das Beste, wenn ihr zuerst einmal alles vergesst, was ihr über Semesterprüfungen und Universität wisst. So wäre mir mit Sicherheit auch vieles leichter gefallen.

Aber beginnen wir am Anfang, nämlich beim Semesterende. Jenes war am Dienstag, dem 21. Dezember. Das hiess, dass wir am Tag darauf um 8h noch eine Woche nach dem neuen Stundenplan zu unterrichten hatten. So weit nicht logisch, aber gut. Dumm nur, dass ich, sei es, weil ich Ausländer bin, sei es, weil ich hier schlecht, bzw. gar nicht betreut werde, vom Semesterende erst am Montagmittag erfahren habe. So konnte ich mich an der letzten Fussballlektion gar nicht erfreuen, aber das wäre ja nicht so schlimm gewesen. Das Beste war: Die neuen Stundenpläne waren erst am Dienstagabend um 17h fertig. Bis dahin wusste ich (und auch alle anderen Lehrer, jedoch kümmerte die das in keinster Weise) also noch nicht welche Klassen, welche Sportarten und zu welchen Zeiten ich ab dem folgenden Tag zu unterrichten hatte. Bei der Stundenplan-Premiere mussten die zu dieser Zeit noch anwesenden Studenten und ich dann mit dem Handydisplay als Lichtquelle (die Beleuchtung im Flur ist schon lange hin) unsere neuen Stunden zusammensuchen. So ein Stundenplan ist übrigens mit Bleistift verfasst, das macht spontane Abänderungen viel einfacher. Nur logisch, dass ich am Mittwochmorgen um 8h nur 50% meiner Klasse antraf. Die anderen hatten vom neuen Stundenplan nichts mitgekriegt.

Eine Woche später war das Semester dann vorbei und es ging mit den Semesterprüfungen los. Jene müssen übrigens noch am selben Tag korrigiert werden. Um es meinen Studierenden (und mir) etwas einfacher zu machen, teilte ich als Semesterprüfung noch einmal die genau gleiche Prüfung aus, die sie schon 4 bis 14 Tage zuvor als Zwischenprüfung geschrieben hatten und deren Verbesserung wir zusammen in der Klasse besprochen hatten. (Die Übungen waren übrigens identisch mit denen aus dem Arbeitsbuch.) Denkste! Trotz mehrmaligen Hinweisen und mehr als einem Wink mit dem Zaunpfahl haben von meinen 46 Studierenden nur gerade 12 die Prüfungen bestanden!
An dieser Stelle einige Informationen über das ausgeklügelte Bewertungssystem: Die Studis sammeln während des Semesters Punkte, einerseits mit Hausaufgaben und Zwischenprüfungen (A-Punkte, max.30) andererseits mit Vokabeltesten und Präsenz (B-Punkte, max.30). An der Semesterprüfung werden dann die restlichen 40 Punkte vergeben. Um durchzukommen braucht man mindestens 60 Punkte, also 60%. Nun haben aber die Mongolen das Gefühl, dass alles unter 90 Punkten schlecht sei. (Weniger als 60 Punkte verteilt ein Lehrer schon gar nicht, ich ausgenommen). So kommt es, dass Studenten mit weniger als 90 Punkten wütend sind. Sie versuchen beim Lehrer mehr oder weniger! Punkte zu bekommen. Letzteres, um die Prüfung wiederholen zu können. „Lehrer sehr dumm.“ habe ich mir anhören müssen, weil ich auf die Punkteforderungen nicht eingegangen bin.
Im Sport hatte ich Studenten, die mit einer Zwischensumme von 6, 7 oder 8 Punkten an die Aerobicprüfung kamen. Sie waren während des Semesters kaum anwesend, hatten nicht mitgemacht, mindestens eine Zwischenprüfung verpasst und an der anderen himmellausig abgeschnitten. Dennoch rechneten sie sich mit einem unterwürfigen Handshake vor der Prüfung und einem netten „Sajn bajn uu bagsha“ grosse Chancen auf ein Weiterkommen aus. 'Tschuldigung, aber ich fand es amüsant, als sie es nicht verstehen konnten, dass sie mit 15 Punkten durch- (und aus allen Wolken) gefallen waren. Die denken doch tatsächlich, ODER HALT, ich muss es so sagen, bei anderen Lehrern scheint es doch tatsächlich möglich zu sein, im Unterricht nicht mitzumachen (oder nicht zu kommen), keine Ahnung vom der Materie zu haben, an der Prüfung nicht einmal zu wissen, was zu leisten ist und dennoch locker das Jahr zu bestehen. Tja, nicht bei mir... Aber eben, wer die Prüfung nicht besteht, kann mit Zusatzarbeiten weitere Punkte sammeln und die Prüfung wiederholen. Bis sie bestanden ist. Ich bin gespannt, ob Studis wenigsten das nächste Mal ansatzweise vorbereitet zur Prüfung erscheinen. Und wie oft ich dieses Theater noch mitmache :)
Die Aufgabenstellung im Aerobic war übrigens sonnenklar: Jeder Studi musste alleine der Klasse 4 Schritte unterrichten (4 mal 32 Schläge). Aber nicht einmal die guten Schüler hatten etwas vorbereitet. Und andere standen vor der Klasse, grölten und mussten zurückschauen, weil sie nicht wussten, welche Schritte sie noch machen könnten. Und können dann nicht verstehen, dass sie durchgefallen sind...
Tja, das stille Abkommen zwischen Unterrichtenden und Studierenden: „ SCHÜLER BEKLAGEN SICH NICHT, DASS DIE UNTERRICHTSPERSON NICHT VORBEREITET IST, BZW ÜBER DIE HÄLFTE DER UNTERRICHTSZEIT NICHT ANWESEND IST, DAFÜR BEKOMMEN SIE PROBLEMLOS DIE 90 PUNKTE“, dieses Abkommen wird von mir schlicht und einfach ignoriert.

Interessant ist auch, dass die SuS nicht verstehen können, dass ich alle gleich behandle. Da meinen tatsächlich welche, ich würde ihnen, weil sie schön schauen können, mir ihre Hand auf die Schulter legen, mir meine Tasche tragen oder sich im Lehrerzimmer mit mir alleine aufhalten wollen mehr (oder weniger) Punkte geben. Und das funktioniert laut einer Deutschstudentin auch so. Aber eben, wie an der Neujahresparty gesehen, ist das hier eine grosse Familie. Kommt noch hinzu, dass, wie schon einmal erwähnt, der Lehrer für das schlechte Abschneiden seiner Studenten verantwortlich gemacht wird. Ein jeder Klassenlehrer schaut also, dass von seinen Studenten keiner durchfällt. Hoffentlich bekomme ich hier kein Arbeitszeugnis...:)

Bei der Leichtathletikprüfung wollte doch Tuvsche, der mongolische Sportlehrer mit dem ich zusammen unterrichtete (Ihr könnt ihn auf den Fotos im Ordner „Uni Khovd“ am Deel erkennen.), dass ich Armagul, seiner Lieblingsstudentin, die 65 Punkte aufrunde. Er verfolgte mich sogar bis ins Lehrerzimmer. Ich hab ihm dann auf dem Video klar gezeigt, warum Armaguul „nur“ 65 Punkte hat. Aber dass er sich vor der gesamten Klasse für nur eine Schülerin stark gemacht hat ist schon heftig!
An die Leichtathletikprüfung kam auch Hotbeck. Er hat von meinen 10 Kursen genau 3 besucht. Anscheinend war er krank. Ja und? Soll ich jetzt diesem armen Hotbeck alle Mitmach- und Präsenzpunkte schenken? Und wohl auch jene für die Zwischenprüfung? Das hätte tatsächlich niemanden gestört. Aber dass er keine Ahnung von Fospury Flop und Co. hat, und wie man diese Techniken vermittelt, das ist zweitrangig.

Eben, wie eingangs gesagt, einfach mal alles vergessen, was wir über Universität, bzw. unser Schulsystem wissen. Und munter Punkte verteilen.
An der Deutschprüfung hatte ich Studierende im 3. und 4. Jahr, die während 5 Minuten nur gerade 5 unzusammenhängende Wörter über die Lippen brachten. Aber sie wollen alle „gute (!) Dolmetscher“ werden...

Noch 2 Worte zu den Lehrern hier. Uugenchimeg, eine Mongolin, die dieses Jahr in der Schweiz ist und über Weihnachten nach Khovd zurückgekommen ist, weil es ihrer Mutter nicht so gut geht, hat mir gesagt, dass sie in der Schweiz gemerkt hat, wozu ein Lehrer eigentlich da ist und was sein Aufgabenbereich ist :)
Und kürzlich bin ich mir mit einem mongolischen Lehrerkolleg in die Haare geraten. Er blockiert ständig das Internet und zwar um Disney- und Pornofilme herunterzuladen. Letzteres natürlich versteckt, aber ich hab ihn erwischt. Hab ihm dann gesagt, dass die Uni wohl nicht der richtige Platz ist, um Pornos herunterzuladen.

Nun aber genug zur „Universität“. Die Prüfungen sind ja jetzt vorbei und ich geniesse den unterdurchschnittlich kalten Januar. Wir haben im Schnitt so -25 Grad. Allerdings wird irgendwo in der Steppe gemessen. Mein Thermometer fällt nie so tief. Aber Fussball spielen bei -12 fährt recht ein. Und vom Sonnenuntergangsspaziergang gestern Abend (Fotos auf http://picasaweb.google.com/115788699100634517128/Sonnenunterganspaziergang161?feat=directlink) kam ich doch etwas unterkühlt zurück. Am letzten Donnerstag ist mir sogar die Nasenspitze eingefroren. Hoffentlich kommt das wieder in Ordnung. Meinen Grosseltern danke ich an dieser Stelle für die (warme) Ovomaltine und den Salami - JAMIIIII. Ihr seid die Grössten!
Hier gibt es leider inzwischen nur noch Karotten, irgendeine Rübenart und Kohl zu kaufen. Die beiden Letzten mag ich leider nicht, also fallen meine Mahlzeiten bezüglich Gemüse recht langweilig aus. Nichtsdestotrotz gab es heute „Pizza“. Aber ich muss sagen, am meisten fehlt mir schon das Gemüserayon in der Migros und noch etwas mehr meine schöne, verhältnismässig warme ehemalige Wohnung in Fribourg.
Ferien in meiner kalten Wohnung machen schon nicht so viel Spass. Zudem hatten wir 5 Tage kein warmes Wasser mehr. So sitze ich meistens in der Küche, schreibe, lese, koche, spiele Akkordeon, und kuschele mit der Katze. Langweilig wird mir aber keines Falls, es gäbe noch so viel zu tun. Leider geht man bei dieser Kälte aber nicht gerne nach draussen. Am Samstag wollten sich Sam und ich mongolische Stiefel kaufen. Es war uns dann aber definitiv viel zu kalt, auf dem Markt unsere Schuhe auszuziehen. Der 5-Minuten-Weg zum „Tanzlokal“ ist jeweils gerade noch erträglich. Tanzen macht aber noch immer Spass. Die College-Girls haben mich jetzt sogar als Coach für den Tanzwettbewerb engagiert :)

So, das war der Blog zu den Semesterprüfungen. Ich hoffe, dass es für euch unterhaltsam war. Für mich war es sehr anstrengend. Darüber zu schreiben hilft mir bei der Verarbeitung und es tut mir leid, falls bei euch das Gefühl aufkommen sollte, ich würde mit den Mongolen hart ins Gericht gehen. Es ist auch nicht so, dass ich sie nicht mag. Ausserhalb der Uni sind sie die grössten Schätze. (Deshalb hoffe ich, in Zukunft, mehr ausserschulische Kontakte knüpfen zu können.) Aber auch innerhalb habe ich meine Lieblinge. Was bei mir aber kein Freipass bedeutet. Auch wenn das hier völlig normal wäre.

Bis bald!
Und verpasst bitte auch nicht die neuen Fotos vom Fleischmarkt: http://picasaweb.google.com/115788699100634517128/Markt?feat=directlink
Und endlich online: das Video von unserem Discobesuch:

Alles äusserst sehenswert!

biz

Montag, 10. Januar 2011

Von Discobesuchen, Betrunkenen und haarigen Bettgeschichten


Wie schon erwähnt, schlage ich mir im Moment die 5 (oder sind es 6?) Wochen Ferien um die Ohren. So genau weiss noch niemand, wann die Uni hier wieder losgeht. Anfangs Februar ist eben noch das mongolische Neujahresfest Tsagaan Sar. Ein Volksfest, das nicht weniger als eine Woche dauern soll und während dem sich die Verwandten gegenseitig besuchen. (Was bei diesen Distanzen hier gut und gerne eine Woche dauern kann.) Zuerst werden die älteren Familienmitglieder besucht und beschenkt, dann alle anderen. Und natürlich wird kräftig Fett mit Fleisch gegessen. Das wir mir eine Völlerei werden, ich esse jetzt schon nur noch Karotten und Rüben. Anderes lokales Gemüse gibt es leider keins mehr. Was würde ich für einen Kopfsalat ...
Aber zurück zu den Ferien. Diese sind dann vorüber, wenn auch das Tsagaan Sar vorbei ist. Und das soll dieses Jahr schon anfangs Februar sein. Eigentlich feiert man dieses Mongolische Neujahresfest dann, wenn der schlimme Winter vorbei ist und die Jungtiere auf die Welt kommen. Dieses Jahr fällt das Fest allerdings schon auf den frühen Februar (Mondkalender). Ich bezweifle, hoffe aber, dass der Winter dann langsam vorbei ist. Es sei zwar bei Weitem nicht so kalt wie letztes Jahr. Damals herrschte in der Mongolei ein Rekordwinter bei dem die Tiere draussen nacheinander erfroren. Aber mir ist es jetzt schon kalt genug. Gestern spielten wir bei mindestens -15 Grad draussen Fussball. Oder war es kälter? Und in meiner Wohnung habe ich 12 Grad in der Küche, 10 im Wohnzimmer und so gegen 6 im Schlafzimmer, alles Höchstwerte. Und draussen soll es nachts gemäss Internet -31 Grad kalt sein.
Tja, da braucht es jeweils einiges an Motivation, sich nach draussen zu begeben. Selbst für einen Discobesuch. So einer war für vergangenen Samstag vorgesehen. Ich und meine Salsa-und Hiphop-TanzschülerInnen hatten beschlossen, wiedereinmal so richtig das Parkett aufzuheizen. Treffpunkt war schon um 19h, da wir, also unsere „Latinmusic“, letztes Mal bei den anderen Discobesuchern unerwünscht waren. (Dabei waren die doch nur eifersüchtig, dass wir so gut tanzen können.) Bis alle da waren, war es dann allerdings wieder 20h. Und viel Salsa und Bachata durften wir auch nicht spielen. „Das störe die anderen Leute.“, meinte die Allrounderin hinter der Theke. Allrounderin, weil das junge Mädchen (sie ist Studentin) zuständig ist für die Bar, für die Musik, für die Reinigung (Toiletten natürlich ausgeschlossen) und für die Sicherheit. Und mit „anderen Leuten“ meint sie einige wenige Frauen und 6 bis 7 Herren, die schon dermassen viel Wodka intus haben, dass sie sich eh nicht mehr auf den Beinen halten können. Doch diese Art Kunde ist natürlich in einer Disco hier mehr willkommen als wir Tänzer. Wir bechern halt nicht so viel, v.a. keinen Wodka. (Wer hat bei -25 Grad draussen auch Lust auf etwas Kühles?!) Wobei man sagen muss, dass die Klubbesitzer hier nicht wirklich eine Ahnung haben vom Geschäft. Dass man keinen Eintritt bezahlen muss, ist ja ok, aber vielleicht sollte man es mal mit guter Musik versuchen. Und einer etwas geschäftstüchtigeren Barmaid. Dass auch Leute reingelassen werden (es gibt keine Eingangskontrollen) die schon sturzbetrunken sind, ist zudem traurig und sicher auch eher schlecht fürs Geschäft. Aber gerade diese Besoffenen werden in der Mongolei sehr zuvorkommend behandelt. Die Allrounderin und auch andere Gäste helfen ihnen beim Wiederaufstehen, man redet ihnen gut zu und tröstet sie, wenn sie ihr eigenes Bier ausgeschüttet haben. Während bei uns diese Gäste schon längst aus dem Lokal geworfen würden, werden sie hier noch vom Barmädchen beim Gang zur Toilette gestützt. Übrigens kennt man hier kein Trinkgeld. Daran kann es also auch nicht liegen.
Widerlich, was für eine soziale Akzeptanz hier der Alkohol geniesst. Wir, die tanzen sind hier quasi unerwünscht. Aber eben, wir haben halt auch Ansprüche. Wir geben uns nicht mit dem gleichen Song alle 15 Minuten zufrieden. Aber das ist durchaus normal hier. Es läuft tatsächlich immer der gleiche Blödsinn. Und sogar Shakira kann einem von der Tanzfläche verbannen, wenn sie alle 20 Minuten gespielt wird. Kommt noch hinzu, dass das Barmädchen, wenn sie die Musik nicht mehr mag, einfach ans „DJ-Pult“ geht und auf dem WindowsMediaPlayer einen anderen Song anklickt. Selbstverständlich ohne zu warten, bis der andere ausgespielt ist. Einen DJ gibt es hier nicht (in anderen Discotheken auch schon gesichtet, aber auch da läuft es aufs Gleiche hinaus: Der Übergang von einem Stück ins andere beträgt entweder eine Schweigeminute oder dann beginnt der neue Song, bevor der Vorhergehende zu Ende ist.) Oft werden Songs nur angeschnitten, 1 bis 2 Minuten. Es ist wirklich ein trauriges Erlebnis, ein Discobesuch hier. Dabei könnte man doch so einfach etwas Richtiges auf die Beine stellen. Ein Problem ist anscheinend aber auch, dass die Leute hier keine Musik kaufen können. Und zum Runterladen entweder zu faul sind oder keinen Internetzugang haben. Und sie wissen einfach nicht, was gerade in den Topten ist. Ich würde liebend gerne einmal DJ spielen, aber es ist ganz klar, dass ich und meine gute, aktuelle Musik hier nicht akzeptiert würden. Die Leute hier wollen immer das Gleiche hören.
Zurück zu unserem Discobesuch vom Samstag. Wir gehen jeweils in die Disco „Seven Star“, weil wir dort bisher immer ein wenig Salsa spielen durften. Ich nehme deshalb immer meinen Memory-Stick mit. Das ist natürlich super, in welcher schweizer Disco kann man schon seine eigene Musik abspielen? Aber das „Seven“ ist auch in einer anderen Beziehung speziell: Hier läuft manchmal nur ganz langsame und sehr leise Musik, weil die Gäste (die gleichen von denen oben die Rede war...) einfach nur sprechen wollen und sich dabei nicht von der Musik stören wollen. Dafür ist die Musik danach um so lauter...
Im „Seven Star“ hat es auch Spiegel an der Wand. Es ist jeweils eine grosse Freude für mich, wenn ich meine „SchülerInnen“ sehe, wie sie, wenn der Song schon zum 3. Mal läuft, vor dem Spiegel die von mir unterrichteten Moves einüben :)
Bei 3 Tanzkursen die Woche (mittwochs HipHop, anschliessend Salsa, freitags Salsa und samstags HipHop), frage ich mich, was diese (wenigen, aber regelmässig (zu spät) kommenden) Lehrer machen werden, wenn ich dann mal nicht mehr hier bin.
In der Disco wird übrigens meistens im Kreis getanzt. Alle, ob fremd oder Freund, stehen in einem grossen Kreis. Und Tektonik ist hier der grosse Renner... :(

Meine HipHopKurse werden in letzter Zeit auch von College-Girls besucht. Sie können einem zwar auch mal versetzen, aber ich mag sie sehr. Sie sind eine ganz andere Generation als meine Studierenden an der Uni. Sie sprechen alle ein recht gutes Englisch, sind offen für Neues und kommen meist pünktlich zu meinen Tanzkursen. Als Vergleich: der Mittwochskurs wurde auf Wunsche meiner Deutschstudenten ins Leben gerufen. Nach 3 Wochen war von denen niemand mehr dabei, dafür viele andere und eben die College-Girls. Er ist schon erstaunlich, dieser Generationenunterschied. Ich vermute, dass das daran liegt, dass in den Mittelschulen hier viele Amerikaner unterrichten. Und dass in den Mittelschulen halt viel professioneller gearbeitet wird als an der Uni. Ich muss aber auch sagen, dass schon nur die Englischstudierenden an unserer Uni viel
aufgeschlossener und zielstrebiger sind als meine Deutsch- und Sportstudierenden.

Und nun noch zu meinem „Meitli“. Die Katze, die ich für Nadya hüte. Ein urkomischer Kautz. Am liebsten springt sie an den Wänden hoch und versucht die Schatten einzufangen. Oder sie rennt in meinem Wohnzimmer (Hier ist gestern übrigens vorübergehend Sam eingezogen, er musste aus seiner Wohnung raus.) den Lichtreflexionen der aufgehängten CDs nach. Dabei springt sie zuerst an einer Wand hoch (Rekord liegt bei 1m50!) und spurtet dann zur gegenüberliegenden Wand, wo sie auch noch einen Sprung ins Nichts zum Besten gibt. Schlafen tut sie unter meiner Bettdecke. Kuschelfaktor garantiert :)
Die Mongolen haben übrigens grösstenteils Angst vor meinem Meitli. Katzen geniessen hier leider keinen guten Ruf. Sie sind böse und haben schlechte Absichten: Sie legen sich ihrem Besitzer auf die Augen, damit er die Gefahren nicht mehr sehen kann.

Und noch eine traurige Story zum Alkohol: Zwischen Weihnachten und Neujahr hat sich hier ein tödlicher Unfall ereignet. Ein betrunkener hat zwei Passanten totgefahren und dann Fahrerflucht begonnen. Sein kaputtes Auto hat man aber hinter seiner Jurte versteckt unter einer Plache gefunden. Vielleicht kommt es ja doch einmal zu einem Umdenken bezüglich Alkohol. Aus religiösen Gründen dürfte man hier übrigens donnerstags keinen Alkohol kaufen. Aber daran hält sich, trotz abgedecktem Alkoholrayon, kaum ein/e Verkäufer/in.
Das Video vom Discobesuch gibt es hier zu sehen:

Viel Spass!


Freitag, 7. Januar 2011

Weihnachts- und Neujahresfeier

Eigentlich feiern die Mongolen als Buddhisten keine Weihnachten. In der Deutschfakultät hat es sich aber etabliert, dass alle Studiengänge zusammen ein kleines Weihnachtsfest feiern. Auch gehört es sich, dass ein Deutschlehrer mit dem 1. Studienjahr Guezzli macht. Ja und da ich im Moment der einzige Deutschlehrer (mit Backofen) bin, kam es dazu, dass meine Adventszeit köstlich ausgebucht war: Backen, backen, backen... In 5er Gruppen, jeden Donnerstag um 18h und Sonntags um 13h und 18h... Ich hatte noch nie so viel gebacken, muss aber sagen, dass uns bis auf die Zimtsterne so ziemlich alles bestens gelungen ist. Ok, manchmal war der Geschmack nicht ganz der selbe wie ich es gewohnt bin. Die Chräbeli waren (den Mongolen) viel zu hart. Und auch mit dem Lebkuchen stimmte etwas nicht. Aber wie gut, dass das die Mongolen nicht merkten. Wie sollten sie auch, ihnen fehlen die Vergleichsmöglichkeiten.

Das Weihnachtsfest ist uns dann wirklich sehr gut gelungen. Wir schauten eine Weihnachts-DVD (solange man diese eben auf dem Laptop sehen konnte, ohne offiziellen Player...), Studierende lasen Geschichten und Gedichte vor, alle hatten etwas zu knabbern auf dem Tisch und Glühwein sorgte für verzogene Gesichter. Glühwein mag hier niemand, aber er gehört zum Weihnachtsfest dazu. Und natürlich haben wir auch gesungen! In Walter-Staub-Manier hab ich mit fast jedem Studienjahr einige schöne Weihnachtslieder eingeübt. Mit dem Dirigieren hab ich es schon primarlehrermässig gut drauf. Und „Ehre sei Gott in der Höhe“ sangen wir sogar im vierstimmigen Kanon. Auch Geschenke gabs. Wie damals in der Primarschule bei Frau Läuppi, brachte jeder Studi ein kleines Geschenk mit. Diese sammelten wir in einen grossen Sack. Daraus durfte schlussendlich jeder ein Päckli entnehmen.
Es war sehr schön und angenehm. Mit Samuel zusammen sang ich im Duett dann auch noch ein schönes CH-Liedli (Luegid vo Bärf ond Tal), hatte nichts mit Weihnachten zu tun, hat aber niemand gemerkt und war eindrücklich und schön. Ja, das (richtige) Singen hat mir diese Weihnachten etwas gefehlt.

Am 25. dann wurde von unserer Fakultät das Neujahresfest abgehalten. Das Semester war zwar erst am 29. vorbei, aber das nimmt man hier nicht so genau. (Nein, halt, eigentlich ist das Semester schon am 22. vorbei, aber wir schieben noch eine Woche des neuen Semesters zwischen Semesterende und Semesterferien, claro?) Wir stiessen dann auch genau um 22h26 auf das Neue Jahr an. Es war ein interessantes Fest. Die Musik war zwar gleich langweilig, repetitiv und schlecht, wie in jeder Disco hier, also alle 15 Minten der gleiche Song (Ein Blogeintrag zum Thema Discobesuch folgt bald.), aber es war spannend. Die Studenten mussten für diese Feier (Essen in Hülle und Fülle) übrigens selber aufkommen. Es wurde zu Walzer- und Discomusik getanzt, auch gab es Wettkämpfe und Lucien machte vieleviele Fotos. Ich amte bei solchen Events immer als begehrter Fotograf. Dabei mache ich recht gute Schnappschüsse, die allerdings nicht immer dem Idealfoto der Mongolen entsprechen (bocksteif, Mundwinkel nach unten, nebeneinanderstehend und natürlich ganzkörper!).

An dieser Neujahresparty tauchte auch der Fakultätsleiter auf. Ein jüngere Mann, der diesen Posten erst seit wenigen Jahren inne hat und zuvor auch an unserer Fakultät Professor war. Die Studierenden scheinen ihn sehr zu mögen. Dass er die Studentinnen aber teilweise auf den Mund küsste und einer davon seine Hand sogar an den Busen drückte, zeigt wiedereinmal, dass sich ein Professor, noch dazu ein betrunkener, alles leisten kann. Traurig. Aber von den Studentinnen würde sich keine einzige beschweren. Denn der Fakultätsleiter bestimmt, wer die Prüfungen besteht und wer nicht. Die Studentinnen und Studenten wissen, dass sie es sich mit dem Fakultätsleiter nicht verspielen dürfen. Es ist mir an dieser Feier auch klar geworden, dass hier kein Student durchfallen kann. Die Fakultät ist eine einzige grosse Familie. Alte Professoren tanzen mit jungen Studentinnen zu Discomusik. Alle kennen (und lieben) sich. Dieser Eindruck hat sich dann während der Prüfungen mehr als bestätigt. Auch wenn jemand nichts kann, kommt er trotzdem durch... Doch dazu im nächsten Blog mehr.

Das offizielle Uni-Neujahresfest fand am 29. in der Sporthalle statt. Beim vorhergehenden Neujahresfest noch stark underdressd, kaufte ich mir dafür extra ein Hemd! Doch bei 3 Grad in der Sporthalle kam es dann nicht dazu, dass ich mich bis auf meine neue Errungenschaft frei machte. Auch hier wurde getanzt, viele Geschenke wurden übergeben (an ausländische Lehrer, Putzfrauen, Sicherheitsmänner, Doktorierende, beste Studierende,... Es gab jeweils ein Joghurt, einen O'saft, ein Pack Biscuits und eine Schokolade.) und die gesamt Schulleitung war (zeitweise) anwesend. Ich glaube, dass es dem Rektor zwischendurch aber auch zu kalt wurde und er sich deshalb für 2h in sein Büro zurückzog. Während seiner Rede telefonierten die hinter ihm sitzenden Fakultätsleiter übrigens ungeniert mit ihren Handys. Es hatte enttäuschend wenig Leute und fast keine Studierende, was mich aber bei den Temperaturen keinesfalls erstaunte. Die armen Studis mussten zudem bis zum bitteren Ende ausharren, bis sie ihre Preise entgegennehmen konnten. Fertig war es aber schon um 21h. Hätte es pünktlich angefangen, also um 17h00 statt um 18h30, wären vielleicht mehr Studierende gekommen. Diese (wie ich auch) hatten am nächsten Morgen um 8h nämlich Semesterprüfungen. Sie spielten aber den ganzen Abend Karten, doch dazu im nächsten Blog...
Schöne Ferien! Und herzlichen  Dank für alle die Briefe und Pakete. Kleiner Tipp: Schaut, dass das Paket nicht schwerer als 2kg ist, sonst müsst ihr nämlich genau so viel bezahlen, wie wenn es 5kg wäre. Und B-Post reicht gut. Und Diabetesschokolade habe ich genug :) Danke :)
PS: Mag lieber  normale Schokolade...