Eigentlich feiern die Mongolen als Buddhisten keine Weihnachten. In der Deutschfakultät hat es sich aber etabliert, dass alle Studiengänge zusammen ein kleines Weihnachtsfest feiern. Auch gehört es sich, dass ein Deutschlehrer mit dem 1. Studienjahr Guezzli macht. Ja und da ich im Moment der einzige Deutschlehrer (mit Backofen) bin, kam es dazu, dass meine Adventszeit köstlich ausgebucht war: Backen, backen, backen... In 5er Gruppen, jeden Donnerstag um 18h und Sonntags um 13h und 18h... Ich hatte noch nie so viel gebacken, muss aber sagen, dass uns bis auf die Zimtsterne so ziemlich alles bestens gelungen ist. Ok, manchmal war der Geschmack nicht ganz der selbe wie ich es gewohnt bin. Die Chräbeli waren (den Mongolen) viel zu hart. Und auch mit dem Lebkuchen stimmte etwas nicht. Aber wie gut, dass das die Mongolen nicht merkten. Wie sollten sie auch, ihnen fehlen die Vergleichsmöglichkeiten.
Das Weihnachtsfest ist uns dann wirklich sehr gut gelungen. Wir schauten eine Weihnachts-DVD (solange man diese eben auf dem Laptop sehen konnte, ohne offiziellen Player...), Studierende lasen Geschichten und Gedichte vor, alle hatten etwas zu knabbern auf dem Tisch und Glühwein sorgte für verzogene Gesichter. Glühwein mag hier niemand, aber er gehört zum Weihnachtsfest dazu. Und natürlich haben wir auch gesungen! In Walter-Staub-Manier hab ich mit fast jedem Studienjahr einige schöne Weihnachtslieder eingeübt. Mit dem Dirigieren hab ich es schon primarlehrermässig gut drauf. Und „Ehre sei Gott in der Höhe“ sangen wir sogar im vierstimmigen Kanon. Auch Geschenke gabs. Wie damals in der Primarschule bei Frau Läuppi, brachte jeder Studi ein kleines Geschenk mit. Diese sammelten wir in einen grossen Sack. Daraus durfte schlussendlich jeder ein Päckli entnehmen.
Es war sehr schön und angenehm. Mit Samuel zusammen sang ich im Duett dann auch noch ein schönes CH-Liedli (Luegid vo Bärf ond Tal), hatte nichts mit Weihnachten zu tun, hat aber niemand gemerkt und war eindrücklich und schön. Ja, das (richtige) Singen hat mir diese Weihnachten etwas gefehlt.
Am 25. dann wurde von unserer Fakultät das Neujahresfest abgehalten. Das Semester war zwar erst am 29. vorbei, aber das nimmt man hier nicht so genau. (Nein, halt, eigentlich ist das Semester schon am 22. vorbei, aber wir schieben noch eine Woche des neuen Semesters zwischen Semesterende und Semesterferien, claro?) Wir stiessen dann auch genau um 22h26 auf das Neue Jahr an. Es war ein interessantes Fest. Die Musik war zwar gleich langweilig, repetitiv und schlecht, wie in jeder Disco hier, also alle 15 Minten der gleiche Song (Ein Blogeintrag zum Thema Discobesuch folgt bald.), aber es war spannend. Die Studenten mussten für diese Feier (Essen in Hülle und Fülle) übrigens selber aufkommen. Es wurde zu Walzer- und Discomusik getanzt, auch gab es Wettkämpfe und Lucien machte vieleviele Fotos. Ich amte bei solchen Events immer als begehrter Fotograf. Dabei mache ich recht gute Schnappschüsse, die allerdings nicht immer dem Idealfoto der Mongolen entsprechen (bocksteif, Mundwinkel nach unten, nebeneinanderstehend und natürlich ganzkörper!).
An dieser Neujahresparty tauchte auch der Fakultätsleiter auf. Ein jüngere Mann, der diesen Posten erst seit wenigen Jahren inne hat und zuvor auch an unserer Fakultät Professor war. Die Studierenden scheinen ihn sehr zu mögen. Dass er die Studentinnen aber teilweise auf den Mund küsste und einer davon seine Hand sogar an den Busen drückte, zeigt wiedereinmal, dass sich ein Professor, noch dazu ein betrunkener, alles leisten kann. Traurig. Aber von den Studentinnen würde sich keine einzige beschweren. Denn der Fakultätsleiter bestimmt, wer die Prüfungen besteht und wer nicht. Die Studentinnen und Studenten wissen, dass sie es sich mit dem Fakultätsleiter nicht verspielen dürfen. Es ist mir an dieser Feier auch klar geworden, dass hier kein Student durchfallen kann. Die Fakultät ist eine einzige grosse Familie. Alte Professoren tanzen mit jungen Studentinnen zu Discomusik. Alle kennen (und lieben) sich. Dieser Eindruck hat sich dann während der Prüfungen mehr als bestätigt. Auch wenn jemand nichts kann, kommt er trotzdem durch... Doch dazu im nächsten Blog mehr.
Das offizielle Uni-Neujahresfest fand am 29. in der Sporthalle statt. Beim vorhergehenden Neujahresfest noch stark underdressd, kaufte ich mir dafür extra ein Hemd! Doch bei 3 Grad in der Sporthalle kam es dann nicht dazu, dass ich mich bis auf meine neue Errungenschaft frei machte. Auch hier wurde getanzt, viele Geschenke wurden übergeben (an ausländische Lehrer, Putzfrauen, Sicherheitsmänner, Doktorierende, beste Studierende,... Es gab jeweils ein Joghurt, einen O'saft, ein Pack Biscuits und eine Schokolade.) und die gesamt Schulleitung war (zeitweise) anwesend. Ich glaube, dass es dem Rektor zwischendurch aber auch zu kalt wurde und er sich deshalb für 2h in sein Büro zurückzog. Während seiner Rede telefonierten die hinter ihm sitzenden Fakultätsleiter übrigens ungeniert mit ihren Handys. Es hatte enttäuschend wenig Leute und fast keine Studierende, was mich aber bei den Temperaturen keinesfalls erstaunte. Die armen Studis mussten zudem bis zum bitteren Ende ausharren, bis sie ihre Preise entgegennehmen konnten. Fertig war es aber schon um 21h. Hätte es pünktlich angefangen, also um 17h00 statt um 18h30, wären vielleicht mehr Studierende gekommen. Diese (wie ich auch) hatten am nächsten Morgen um 8h nämlich Semesterprüfungen. Sie spielten aber den ganzen Abend Karten, doch dazu im nächsten Blog...
Schöne Ferien! Und herzlichen Dank für alle die Briefe und Pakete. Kleiner Tipp: Schaut, dass das Paket nicht schwerer als 2kg ist, sonst müsst ihr nämlich genau so viel bezahlen, wie wenn es 5kg wäre. Und B-Post reicht gut. Und Diabetesschokolade habe ich genug :) Danke :)
PS: Mag lieber normale Schokolade...
Salut Lucien!
AntwortenLöschenQuelle ambiance dans la salle de classe d'allemand! Je suis certaine que tu dois commencer à refuser des étudiants...plutôt étudiantes!
Merci nous faire partager ces bons moments!
A bientôt, gros becs
Nicole