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Pferde auf Futtersuche

Freitag, 17. September 2010

DANKE MAI!



DANKE MAI!


Nun bin ich schon eine Woche in Khovd. Einem stillen ruhigen, fast autolosen Städchen(?) im Westen der Mongolei. Es gibt hier quasi nur Studentenheime, zwei Unigebäude, einen Markt und einige Shops. (Ich frage mich, wo die 30'000 Bewohner alle sind.) Und ich muss sagen, ES GEFÄLLT MIR SUPER HIER! Ich kann hier sogar Geld beziehen, SPESENFREI! Danke Mai! (Mai ist meine Finanzberaterin bei der Postfinance. Ihr, sowie ihrer Firma muss ich hier an dieser Stelle ein Kränzchen winden. Die Postcard lebe hoch!)


In Khovd geht es typisch mongolisch zu  und her. Auf dem Markt verkauft man an 30 Marktständen genau das selbe, vor der „Fleischabteilung“ liegen die Füsse, Felle und Köpfe der geschlachteten Tiere, täglich begegnet man einem Betrunkenen, die Eier (wie alles andere) kauft man im Plastiksäckchen, der „Supermarkt“ ist auch am Sonntag bis 22h geöffnet, jede Treppenstufe hat eine andere Höhe und auf den Strassen gibt es weder Kandelaber noch Gullideckel (Entweder merkt man sich die Löcher genau oder man hat eine Stirnlampe.). Man kann hier auch Gurken, Tomaten, Karotten und tonnenweise Wassermelonen kaufen. Allerdings kein Aromat...Wie um alles in der Welt kann man ohne Aromat leben, wenn man sonst schon keine richtigen Gewürze hat...
(An dieser Stelle will ich kurz meine postialische Anschrift anbringen:
Lucien Perrinjaquet – P.O. Box 166 – Khovd 213500 – Mongolia. 1 kg kostet so ungefähr 18.-. Aber bitte nicht nur Aromat, ich vermisse auch Diabetikerschokolade, Käsli, Diabetikerkonfi,...also bitte vorher absprechen.)


In meiner ersten Woche habe ich auch schon einige Sportstunden unterrichtet. Natürlich hatte ich zuerst zugeschaut und den Kulturschock verdaut: 59 Studenten in einer Turnhalle! Zwei Klassenleher, die in der gleichen Turnhalle je 25 SuS unterrichten; und keiner fühlt sich vom Tun und Geschrei der anderen Klasse gestört. Hier spielt ein Team, das sich auf ein Volleyballturnier vorbereitet, auf dem Volleyfeld, während mehr oder weniger auf dem selben Feld andere Schüler eine Art Streetball auf einen Korb spielen. Man regt sich hier nicht auf (Sieht auch keine Gefahren.). OK, man kennt ja auch nichts anderes, hat eben nur disese eine Halle. Und Fehlplanungen führen dazu, dass diese halt mal doppelt besetzt ist, oder dass nur die Hälfte der Studenten hier ist. In letzterem Fall findet der Kurs dann nicht statt und die Schüler „bällelen“ ein bisschen. Dem Lehrer kommt das nur entgegen. Apropos Ball. Es gibt hier 4 Basket-, 6 Volley- und 3 Fussbälle. Basket und Volley sind die bevorzugten Sportarten und jede Studentin und jeder Student trifft den Korb aus jeder x-beliebigen Position! Auch das Volleyniveau ist sehr hoch. Dafür happerts dann, wenn die Schüler die Arme in die beiden entgegengesetzten Richtungen kreisen müssen :)
Geräteraum gibts nicht. Einiges steht in der Turnhalle, anderes, wie zum Beispiel die 8 dünnen Matten, stehen weit weg in einer Abstellkammer und werden sowieso nicht gebraucht.


Ich fasse mal zusammen, wie so eine 90-minütige Sportlektion abläuft:
Die SchülerInnen kommen in die Halle und ziehen sich hier auch um. Es gibt keine Garderoben. Mit 10 Minuten Verspätung kommt dann auch die Lehrperson, wenn sie kommt....wenn nicht, übernimmt halt der Schweizer das Zepter. So werde ich ab und zu mal ins kalte Wasser geworfen, habe mich aber bisher erfolgreich auf mein Improvisationsvermögen verlassen können. Normalerweise beginnt die Stunde dann mit der Durchnummerierung. Die SuS stehen auf einer Linie und alles geht extrem militärisch zu und her. Der Lehrer schikaniert auch gut und gerne mal den einen oder anderen Schüler,  as für mich unerklärlichen Gründen. Nach dem Appel und einer Vierteldrehung laufen, äh marschieren alle Studenten in der Turnhalle herum. Der Turnlehrer gibt dabei die Richtungsänderungen an. Jener sitzt am Pult, spielt noch mit dem Handy, ist evtl. schon umgezogen, delegiert allenfalls x-beliebige Schüler zum Tischtennis ab oder schikaniert zu spät gekommene Studenten. Das Einwärmen dauert 30 Minuten und ist der anstrengendste/der einzige anstrengende Teil der Sportlektion. Beim Stretching kann sich der Lehrer dann auch gerne mal mit seinem Körpergewicht auf einen Schüler stemmen, um eine optimale Bewegungsamplitüde zu erzielen.
Nach dem Warmup geht es ans Thema. Davon gibt es nicht viele: Basket, Volley, Leichtathletik (Seilhüpfen), mongolisches Wrestling und Gymnastic (Aerobic). Man muss hier anscheinend unterscheiden zwischen Sportstudenten und normalen Studenten. Alle Studenten müssen hier während den ersten drei Semestern Sportunterricht besuchen. Handelt es sich um eine dieser Sportklassen, wird nach dem Einwärmen während 60 Minuten ein wenig gebällelet. Die SuS können quasi machen, was sie wollen, Volley, Basket, SMSle oder einfach rumsitzen. Der Lehrer verschwinder im Lehrerzimmer. Bei den Sportstudenten werden dann doch die einte oder andere Übung gemacht. Allerdings handelt es sich hier, tagein tagaus um die gleichen Übungen. Es werden keine Übungen variiert, man geht nicht auf gute und schlechte SuS ein. Alle machen das gleiche und sind entweder über- oder unterfordert. Auch hat kein Schüler etwas am Unterricht auszusetzen, die Übung kann noch so lange dauern. Sie machen ihre gewohnten Übungen sogar gerne. Wenn ich einmal eingreife und eine Variation vorschlage, stosse ich meist auf Unverständnis und nur wenige verstehen den Sinn meiner Übungsvariante. Bin ich dann weg, spielen sie sich die Bälle wieder auf ihre gewohnte Art und Weise zu.
Einmal habe ich 60 Minuten Volley unterrichtet. Das war dann so, dass ich zwischen 12 und 24 Studenten hatte. Jene, die Lust hatten auf meine Übungen, machten mit, andere nicht. Der einte sitzt mal ein wenig ab, eine andere schreibt eine SMS,... Leider ist Volley halt auch nicht meine Stärke. Aber Fussball, da habe und werde ich bestimmt einiges bewegen können.
Und heute hatte ich eine (total unvorbereitete) Aerobic-Stunde. Glücklicherweise wohne ich 3 Minuten von der Uni, konnte rasch meine PC holen und eine Aerobic-CD brennen. Die Schüler waren begeistert. Und anschliessend wollten sie unbedingt noch etwas HipHop lernen. Das war ein Erfolg. Zunehmend beginnen mich die SuS auch zu kennen, zu grüssen, lachen etc. Es macht mir wirklich sehr viel Spass.
Habe auch schon in der Deutschfakultät vorbeigeschaut. Das Niveau ist relativ tief, dafür sind die StudentInnen süss :)


Es gibt hier 5 Sportlehrer (die mich im Übrigen sehr nett aufgenommen haben) und jeder ist auf etwas spezialisiert. Und jeder erwartet von mir, dass ich ihm neue Theorien beibringe. Allerdings ist das bei den meisten nur Geplapper: Wenn ich die Klasse jeweils übernehme ,begeben sie sich meist aus der Halle, zum Umziehen, Telefonieren oder was auch immer.
Übrigens hat man für mich extra einen neuen Arbeitstisch gekauft! Und der steht erst noch im Büro des Fachvorstehers! Nur dumm, habe ich für diesen Raum keinen Schlüssel und Barça, der Fachvorsteher ist nicht jeden Tag hier :)


So, das wär vorerst einmal ein Update bezüglich Sportunterricht in Khovd. Es gäbe ja noch soooo viel zu berichten. Aber das soll vorerst reichen. Zu den hier veröffentlichten Fotos werde ich versuchen, auf www.wuala.com noch Fotos zu hinterlegen. Diese könnt ihr euch anschauen und wenn ihr wollt auch herunterladen. BITTE ABER NICHT LÖSCHEN!
Benutzername und Passwort für wuala sind: „lulu-teachinginmongolia“ - „mongolia“. Es sind übrigens die gleichen wie auf Facebook.


So. Ich bedanke mich für die Geduld. Bezüglich Visum gibt es noch keine zufriedenstellende Lösung. Wahrscheinlich muss ich tatsächlich nach Peking reisen. Da mir ein Teil der Reise finanziert würde und es mir hier so gut gefällt, würde ich diese Strapazen auf mich nehmen. Ich liebäugle aber auch mit einem Direktflug nach Berlin. Weil ich dafür kein Visum brauche und weil ich dann in Deutschland meine Koffern mit Sportutensilien füllen könnte. Mal abchecken.


Passt auf euch auf!


Lüss


PS: Buchempfehlung: „Der blaue Himmel“ von Galsan Tschinag

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