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Pferde auf Futtersuche

Freitag, 10. Juni 2011

Abschied nehmen


Auf dem Balkon sitzend, Kaffee trinkend oder Resten essend vertreibe ich mir hier die letzten Tage.
Dabei dauert es jeweils nicht lange, bis mich die Kinder aus dem Quartier nach unten rufen „Bagsha! Bagsha!“. Ich habe ihnen letzte Woche ein paar Seilhüpf-Tricks beigebracht, jetzt sind sie meine grossen Fans und klopfen auch mal sonntagmorgens an meine Tür... Wir können uns zwar nicht verständigen, verstehen uns aber sehr gut. Und so steh ich fast täglich in Mitten der Kids und schwinge das grosse Springseil und versuche ihnen Neues beizubringen. So schön, die Jungs spielen Fussball, die Mädchen ziehen Seil hüpfend um die Blöcke. Kein Gameboy, keine Handys, nur ab und zu ein Fahrrad. Von den Mongolen werde ich beim Mitspielen belächelt, ein Erwachsener, der sich mit Kindern abgibt, noch dazu ein Tourist...

Die Uni ist so gut wie vorbei. Uffff.... bin ich froh. Die Deutschstudis im Abschlussjahr haben alle bestanden, sie haben die Aufgaben und die Lösungen schon vor der Prüfung mit ihrer Lehrerin besprochen. So läuft das hier (wohl). Was soll ich mich noch aufregen, ich denke, dass alle froh sind, dass dieses faule Studienjahr endlich weg ist.
Froh sind wohl auch einige Lehrer, denen ich das Lehrerleben nicht ganz einfach gemacht habe, oder der Fakultätsleiter, der jedes Mal, wenn ich ihm ausserhalb der Uni begegnete, betrunken war. Zum Beispiel am letzten Samstag, als er an der Grillade der Sportstudenten (Wir haben nach kasachischer Art ein Schaf geschächtet.) um 17h mit vier auch betrunkenen Kollegen auftauchte! „No photos!“ hat er mir noch gesagt. Anscheinend weiss er wenigstens, dass er sich vor den Studis nicht betrunken zeigen sollte.
Aber er ist bei Weitem nicht der einzige, der sich beim Essen der Abschlussklassen volllaufen lässt.

Tja, und wenn ich auch ein (für mongolische Verhältnisse) harter Hund war, scheinen mich doch die meisten meiner Studis gerne zu mögen und zu vermissen.
Zwar bezweifeln einige Lehrkräfte hier doch tatsächlich, dass ich eine Lehrerausbildung habe. Ich würde falsch unterrichten :) Aber kann man ihnen verübeln, dass sie hier ein anderes Verständnis von Unterricht haben? Auswendig lernen, auswendig lernen und nochmals auswendig lernen. Auf den Schüler eingehen? Eine Beziehung mit ihm aufbauen? Ihn als Gegenüber akzeptieren und respektieren? Mal einen Witz machen? Ihnen etwas Lustiges beibringen. Das alles gehört sich in der Mongolei nicht für einen Lehrer.
Dafür darf der Lehrer hier 4h zu spät an der Mündlichprüfung erscheinen und niemand zuckt mit der Wimper. Lehrer haben immer Recht. Dafür lassen sie dann auch mit sich über die Note verhandeln. Dass meine Note der Leistung des Studis entspricht, unabhängig davon, ob es sich um Kasachen, Mongolen, hübsche Studentinnen oder faule Säcke handelt, sind sich die Studierenden nicht gewohnt. „Ihr bekommt die Note, die ihr verdient habt.“ So etwas können sie sich gar nicht vorstellen. Wie gesagt, dennoch (deshalb), mögen mich viele Studenten ganz gut. Wir werden uns gegenseitig vermissen.

Bei zwei,drei Lehrkräften sieht es anders aus. Wir sind wohl froh, wenn wir uns nicht mehr sehen. Sie sind wahrscheinlich zu einem grossen Teil auch etwas eifersüchtig. Da kommt ein Schweizer, setzt sich mit den Studierenden auseinander, reisst sich für sie den Hintern auf, damit sie die Wörterbücher über die Ferien zum Lernen mit nach Hause nehmen können, macht (gratis) Photokopien für sie, lädt sie zu sich nach Hause ein, kocht und spielt mit ihnen, stellt ihnen mp3-Player zur Verfügung und interessiert sich für ihre Fortschritte. Ja, da sind sie mit ihrem unvorbereiteten Unterricht schon recht langweilig. Ich muss aber auch zugeben, dass einige Studis mit meinen Unterrichtsmethoden etwas überfordert waren. Wenn 80% aller jungen Erwachsenen in diesem Land an eine Uni gehen, heisst das ja auch nicht, dass sie alle auch studierfähig sind...

Die Uni ist übrigens für das 3. Studienjahr noch nicht ganz vorbei. Zwar war die letzte Prüfung für heute Morgen angesetzt, aber weil 2 Studentinnen ihre Semestergebühren noch nicht bezahlt haben, darf die ganze(!) Klasse nicht zur Prüfung antreten. Normalerweise findet die Prüfung in solchen Fällen trotzdem statt, ohne die schuldigen Studis, aber bei der letzten Prüfung sei das nicht der Fall.
Mongolia! Eine Lösung ist nicht in Sicht. Aber Mongolei heisst ja auch: Nichts ist unmöglich. Und oft klappt es schneller als man denkt.

Ich bin noch bis am 20. Juni hier in Khovd. Es hat hier kürzlich ziemlich viel geregnet, ist heute aber wieder sehr heiss (bis gegen 30 Grad). Viele Mongolen verlassen die Stadt, weil sie den Sommer auf dem Land verbringen. Dafür lassen sich schon einige Touristen hier blicken. Und Mücken und Fliegen... Apropos „fliegen“: Ankunft am 3. Juli in Basel, 18h35. Aber wir hören uns bestimmt noch vorher. Von der Busreise nach UB wird es mit Sicherheit auch noch etwas zu erzählen geben. Und auch von der Uni, gemäss dem Motto: „It ain't over 'till it's over“.



2 Kommentare:

  1. Alors, Lulu, t'es de retour pour une excursion VTT au Pays de Fribourg ? Cet été je passerai par Saint-Gall autour du 9 août. Fais-moi connaître une manière de t'atteindre. A+

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  2. Salut toi, inconnu!
    Apelle-moi au 079 507 34 22 ou écris-moi sur l_perrinjaquet@hotmail.com. A bientôt à SG.
    Lucien

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